Wandern 1Frühling und Sommer laden dazu ein, dass wir uns an der prächtigen Natur erfreuen. Der bedeutende Kirchenliederdichter Paul Gerhardt (1607–1676) führt dazu ein Selbstgespräch: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud.“ Und über dieses Selbstgespräch nimmt er auch uns mit hinein in seine Freude. Es erklingen die tiefen Sehnsüchte und die zeitlose Hoffnung des menschlichen Herzens nach der Schönheit der Schöpfung, um darin die unendliche Liebe und Treue Gottes zu erkennen.

Erstmals veröffentlicht wurde das Gedicht 1653 in der fünften Auflage von Johann Crügers Gesangbuch Praxis Pietatis Melica. Es entstand also in einer Zeit des Umbruchs und der Unsicherheit. Der Dreißigjährige Krieg hatte Spuren der Zerstörung und des Leids hinterlassen. Doch gerade in dieser dunklen Zeit fand Paul Gerhardt Worte des Trostes und der Hoffnung. Sein Lied „Geh aus, mein Herz, und suche Freud“ ist wie ein Lichtstrahl, der durch die Dunkelheit bricht und uns daran erinnert, dass Gott uns auch in den schwierigsten Zeiten begleitet.

Die erste Strophe des Liedes fordert uns auf, aus unseren beengten Räumen herauszutreten und die Schönheit der Natur zu erleben: „Geh aus, mein Herz, und suche Freud / In dieser schönen Sommerzeit / An deines Gottes Gaben; / Schau an der schönen Gärten Zier / Und siehe, wie sie mir und dir / Sich ausgeschmücket haben.“ Diese Worte erinnern uns daran, dass Gott uns in seiner Schöpfung begegnet. In jedem Blütenblatt, jedem Sonnenstrahl und jedem Vogelgesang können wir seine Liebe und seine Güte erkennen. Der Bogen spannt sich in den weiteren Strophen von „Narzissus und die Tulipan“ über „die hochbegabte Nachtigall“ bis hin zu der „unverdrossnen Bienenschar“. Unsere Gedanken und Gefühle gehen auf die Reise von „der schönen Gärten Zier“ in die große und weite Schöpfung. Der Liedtext wurde im Laufe der Geschichte mit verschiedenen Melodien verknüpft. Die gegenwärtig bekannteste Vertonung zu Gerhardts Text stammt von August Harder (1775–1813). Dessen beschwingte, fröhliche und fast schon volksliedhafte Melodie passt sehr gut zum Charakter von Gerhardts Text und trug sehr zur Beliebtheit des Liedes bei. Daher werden diese lebensvollen Zeilen bis heute auch außerhalb der Kirche auf unzähligen Fahrten durch die sommerliche Natur gerne gesungen.

Das Herz wird mir leichter. Hier in der Schöpfung kann ich so viel von dem lebendigen Atem Gottes sehen und spüren; von Gott, der nach der Sintflut gesagt hat: Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. (1. Mose 8,22) Dieses Bibelwort erinnert uns daran, dass Gott die Ordnung der Welt aufrechterhält und dass wir uns in seiner treuen Fürsorge geborgen wissen können.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine gesegnete Zeit, in der wir die Freude Gottes in seiner wunderbaren Schöpfung und in der Gemeinschaft mit unseren Mitmenschen erleben dürfen.

Mit herzlichen Grüßen
Stefan Knorr