Komm rüber! 7 Wochen ohne Ich bin gern alleine in der Natur unterwegs, oft mit Kamera und Teleobjektiv. Andere Menschen stören mich da eher. Ihr Tempo ist oft nicht meins. Wenn ich stehen bleibe und einen Vogel, ein Insekt oder ein Säugetier vor die Linse bekommen will, langweilen sie sich oder stören gar durch unachtsames Verhalten oder lautes Reden im falschen Moment. Aber wir leben in einer Welt der Gemeinschaft und des Miteinanders. Martin Buber, der große jüdische Religionsphilosoph, sagt: „Alles wirkliche Leben ist Begegnung.“ Gemeinsam verbrachte Zeit, gute Gespräche, gelingende Kommunikation ist etwas sehr Schönes und Wertvolles. Ich liebe beide Welten, die einsame Zeit in der Natur und wertvolle Begegnungen. Das Fastenmotto „Komm rüber! Sieben Wochen ohne Alleingänge“ ist deshalb für mich ein Volltreffer. Wie schaue ich auf mein Leben, das hin- und herschwingt zwischen mir und den anderen, den anderen und mir? Auf welche Alleingänge kann ich verzichten? Wo brauche ich die Einsamkeit und das stille Nachdenken?

Die Wochenthemen dieser Fastenzeit führen vom „Miteinander gehen“ über das Miteinander mit den Liebsten, mit Fremdem, mit der Schöpfung und der weiten Welt zum Miteinander mit den mir Anvertrauten und mit Gott.
Auch die Bibel erzählt von Begegnungen. Gott und Mensch treffen aufeinander, begegnen sich. Manchmal geschieht das vollkommen unerwartet. Mose beispielsweise, als er aus dem brennenden Dornbusch heraus Gottes Stimme hört (2.Mose 3). In der einsamen Berglandschaft des Sinai hatte er nicht mit Gott gerechnet. Aber genau dort erhält er den Auftrag, das Volk Israel aus Ägypten zu führen. Mose will eigentlich nicht. Das war nicht sein Lebensplan. Er wehrt sich. Hält sich nicht für kompetent genug. Und dann zieht er doch los. „Im Auftrag Gottes und mit seiner Hilfe.“ Eine Berufungsgeschichte, die auf einer Gottesbegegnung basiert. Mose ist von Gott berührt worden und das lässt ihm letztlich keine Ruhe und er übernimmt die neue Aufgabe.
„Komm rüber! Sieben Wochen ohne Alleingänge“ – Manches wird uns nahe sein, während anderes Überwindung kosten mag. Abschweifen in das Alleinsein ist erwünscht, Aufbruch allerdings auch: „Komm rüber!“ Segen ist an das Aufbrechen gebunden, nicht an das Verharren. Neue Gedanken wagen, der anderen Meinung ohne Furcht begegnen – das macht reich. Freuen wir uns auf die Herausforderung! Fastenzeit ist kein Verzicht um des Verzichts willen. Sie führt uns zu neuen Erfahrungen, im Alleinsein und im Miteinander. Schön, wenn Sie dabei sind!

Ihr Pfarrer Olaf Digel